Warum kann ein Kabel, das den Zertifizierungstest nicht besteht, dennoch problemlos Daten übertragen?

27/03/2018

Warum kann ein Kabel, das den Zertifizierungstest nicht besteht, dennoch problemlos Daten übertragen?

Häufig kommt die Frage auf, warum ein Kabel, das den Zertifizierungstest nicht bestanden hat trotzdem Daten problemlos überträgt. Um dies umfassend zu beantworten, muss vorab auf den Unterschied zwischen den Leistungsanforderungen für die unterschiedlichen Datenraten und den Leistungskategorien der Verkabelung hingewiesen werden. Im Vorfeld sollten jedoch die Frequenzanforderungen der Kabelkategorien und der Unterschied zwischen Frequenz und Datenrate bekannt sein.

Datenrate


Die Daten- oder Übertragungsrate bezeichnet die Menge an Daten, die in einem definierten Zeitraum über das Kabel oder Netzwerk übertragen wird. Sie wird in Bit/s, KBit/s, MBit/s oder GBit/s angegeben. Die Datenrate ist der wichtigste Parameter der Ethernet-Übertragungsgeschwindigkeit und ist von der Signalisierungsfrequenz und der Codierung abhängig, die verwendet wird, um die Datenbits zu erzeugen. Häufige Datenraten für TP-Verkabelungen sind 10, 100, 1000 Mbit/s (1GBit/s) und 10 GBit/s (10G). Gerade erst sind 40G auf den Markt gekommen und in Zukunft wird es auch vermehrt 25 Gbit/s (25G) geben. Allerdings wird die Übertragungsentfernung der beiden zuletzt genannten Raten auf 30 Meter definiert, während die anderen genannten Datenraten eine Distanz von bis zu 100 Meter unterstützen.

Kabelfrequenz


Die Kabelfrequenz ist die Frequenz, bei der das Kabel im Rahmen der Zertifizierung getestet wird. Der Unterschied zwischen der Kabelfrequenz und der Datenrate besteht in der Codierung, die angewendet wird, um die Datenbits zu erzeugen und der Anzahl der Adernpaare, die für die Datenübertragung zum Einsatz kommen.



Zu beachten sind die Unterschiede zwischen Kabelfrequenz und Datenrate bei den einzelnen Ethernet-Typen. Heute werden 1000Base-T und 1G Ethernet (GbE) am häufigsten eingesetzt. Zwar erfordert dieser Ethernet-Typ nur Verkabelungen der Klasse D, aber in den meisten Fällen werden Verkabelungen der Klasse E oder EA, die bis 250 bzw. 500 MHz zertifiziert sind, installiert. Daher werden diese Verkabelungen bis zum Fünffachen der Datenrate getestet, die für die ordnungsgemäße Funktion des Netzwerks erforderlich wäre. Das Kabel wird in einem 1000Base-T-Netzwerk funktionieren, da die Testanforderungen eben deutlich strenger ausgelegt sind als die Mindestvoraussetzungen für einen ordnungsgemäßen Betrieb dieses Ethernet-Typs. Kurz gesagt ist man hinlänglich der Meinung, dass ein Kabel der Klasse E/Kat 6 nötig ist, um Daten mit einer Rate von 1 Gbit/s zu übertragen. Dabei ist tatsächlich nur ein Kabel der Klasse D/Kat 5e erforderlich.

Fazit


Da Netzbetreiber für zukünftige Applikationen gerüstet sein wollen, unterstützen die installierten Kabel schon heute eine höhere Datenrate als die angeschlossene Netzwerktechnik. Die Kosten für 10G-Switche betragen heute noch einige hundert Euro pro Port, während der Preis für 1G-Switche bei weniger als 10 Euro pro Port liegt. 10G ist momentan noch zu teuer, um an jedem Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden zu können und ist daher eher höher frequentierten Arbeitsbereichen vorbehalten. Der Preisunterschied zwischen der Verkabelung der Klassen E und EA ist jedoch so gering, dass viele Unternehmen heute schon dazu übergehen, eine höherwertige Verkabelung zu installieren. Damit wollen sie sichergehen, dass sie zukünftig mühelos zu 10G-Netzwerken migrieren können, wenn die Preise für die Komponenten in absehbarer Zeit fallen werden. Auch wenn ein 1G-Netzwerk zum Beispiel heute über eine Verkabelung der Klasse EA mit negativer Zertifizierung reibungslos funktioniert, muss die Infrastruktur so geplant und getestet werden, dass sie auch zukünftige Applikationen unterstützt, wenn diese zum Einsatz kommen.

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